Verborgene Schätze auf dem Obergrashof
Obergrashof gewinnt Förderpreis Ökologischer Landbau 2012
Pressemitteilung vom 27.1.2012
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Das Dachauer Moos ist eine sehr eindrucksvolle Landschaft. Weicher, schwarzer Moorboden, weiße Birkenstämme, Grünland und nur wenige Häuser. In diesem Landstrich liegt zwischen Dachau und Oberschleißheim die Demeter Gärtnerei Obergrashof, die der wichtigste Lieferant der Ökokiste ist. Sie versorgt die Ökokistenkunden das ganze Jahr über mit vielerlei Feingemüse. Die Vielfalt des Anbaus am Obergrashof ist beeindruckend. Bunte Salate vom zeitigen Frühjahr bis in den Spätherbst gehören zum Angebot des Obergrashofs ebenso wie Broccoli, Blumenkohl, Kohlrabi, Rettich, Fenchel, Spinat und Radieschen. Der Anblick der Felder im Sommer und Herbst ist eine Augenweide und Balsam für die Seele.
Aus Klein wird ganz Groß Was 1991 als Pachtbetrieb mit 5 Hektar begann, ist heute zu einem 110 Hektar Betrieb gewachsen. Damals suchte die Landeshauptstadt München Pächter, die das städtische Gut Obergrashof auf biologische Landwirtschaft umstellen sollten. Julian Jacobs, Gottfried Ribitsch und Florian Zebhauser bekamen den Zuschlag und wollten dort eine Existenz für ihre drei Familien aufbauen. Zunächst musste Julian Jacobs die Gärtnerei allein aufbauen, da bei den beiden Partnern sich das Leben erstmal anders ergab. 1997 kam dann die Familie Ribitsch dazu und richtete einen Hofladen ein und führte die Schafhaltung ein. 1999 stieg der langjährige Mitarbeiter Peter Stinshoff als Partner in die Gärtnerei ein. Seitdem leiten Julian Jacobs und Peter Stinshoff die Gärtnerei gemeinsam und haben sie enorm vergrößert. Mittlerweile umfasst die Betriebsfläche 110 Hektar, die nach und nach in der direkten Nachbarschaft dazugepachtet wurden. Dazu gehören 20 Hektar Grünland für die Tierhaltung.
Auf 45 Hektar wird heute Feingemüse angebaut. Das ist eine beeindruckende Menge, die sehr viel Arbeit macht. Dazu braucht man ein gutes, zuverlässiges Team. Und das hat der Obergrashof. Der Obergrashof beschäftigt 25 Vollzeitkräfte. Das Besondere: Die Betreiebsleiter führen den Obergrashof als lernendes System und im Team zusammen mit den langjährigen Mitarbeitern. In den vergangenen 20 Jahren wurden mehr als 40 Lehrlinge auf dem Hof ausgebildet. Außerdem sind besonders im Sommer noch viele Saison-Arbeitskräfte zur Unterstützung da, so dass bis zu 40 Personen im Einsatz sind, um das Gemüse zu säen, zu pflegen und zu ernten.
Vor dem ersten Hahnenschrei ...Der Arbeitstag beginnt für die Chefs im Sommer schon um 5.00 Uhr. Dann werden die Bestellungen der Kunden sortiert und eine Ernteliste erstellt. Um 6.00 Uhr oder um 7.00 Uhr schwärmen dann verschiedene Trupps auf die Felder aus, um zu ernten. Die Salaternte muss im Sommer bis um 10.00 Uhr abgeschlossen sein, weil es sonst zu heiß wird. Danach wird gejätet, gepflügt, gesät, gegossen, Kulturschutznetze ausgebreitet, Liefertouren zusammengestellt und vieles mehr. Allein die Koordination der vielen Tätigkeiten, die alle parallel stattfinden und einen unterschiedlichen Maschinen Einsatz erfordern, bringt viel Arbeit mit sich. Im Sommer geht die Arbeit meist bis 19.00 Uhr durch. Bestimmt wird die Arbeit immer wieder durch die Witterung. Mehr als in jedem anderen Beruf ist die Arbeit des Gärtners vom Wetter abhängig und fordert die Tagesplanung immer wieder neu heraus. Oft muss das Pflanzen verschoben werden, weil der plötzliche Regen dazwischen gekommen ist. Oder die Ernte kann erst zwei Stunden später erfolgen, weil es den ersten Nachtfrost im September gegeben hat.
Neue Bewohner auf vier BeinenIm Zuge der Erweiterung ist ein ganz neuer Betriebszweig hinzugekommen. Vor einigen Jahren wurde eine Mutterkuhherde von 20 Kühen plus Nachzucht auf dem Obergrashof eingeführt. Es handelt sich dabei um eine ganz besondere, seltene Rasse, die Murnau Werdenfelser Rinder. Diese Rasse ist vom Aussterben bedroht und mit ihrer Haltung trägt der Obergrashof zu ihrer Erhaltung bei. Durch die Herde ist die Gärtnerei in der Lage, den wichtigsten Dünger im ökologischen Anbau, den Mistkompost, aus eigenem Mist herzustellen. So kann der Kreislauf der Nährstoffe, der das Herzstück des ökologischen Landbaus ist, besser geschlossen werden. Die Herde weidet auf 20 Hektar Grünland im Moos und zum Teil auch auf der Kleegrasgründüngung auf dem Ackerland.
Demeter AnbauJulian Jacobs und seine Partner der ersten Stunde hatten sich bereits in der Gärtnerei, in der sie sich kennen gelernt hatten, auf den Demeter Anbau festgelegt. Der ganzheitliche Ansatz dieser Schule, der die weitestgehende und konsequenteste Form des ökologischen Landbaus darstellt, schließt auch nichtstoffliche Bildekräfte, sowie kosmische Kräfte mit ein. Herzstück des biologisch-dynamischen Anbaus nach der Lehre von Rudolf Steiner ist die Anwendung spezieller Präparate, um diese Bildekräfte zu begünstigen. Ähnlich wie in der Homöopathie, die jenseits der stofflichen Nachweisgrenze arbeitet, werden sie in einer sehr geringen Dosis über die Kultur gespritzt und führen zu einer Qualitätssteigerung. So konnten in Versuchen Unterschiede im Geschmack, in der Konsistenz (Lagerfähigkeit) nachgewiesen werden. Die Präparate werden auf dem Obergrashof selbst hergestellt. So gibt es Hornkiesel, Hornmist auch der Kompost wird präpariert.
Man mag das alles für Zauberei oder auch Spinnerei halten. Auffallend ist, dass die Qualität der Obergrashof Möhren im Geschmack wirklich herausragend ist.
Besonderes Engagement für das SaatgutJulian Jacobs hat neben der Vielfalt des Gemüseanbaus eine weitere Leidenschaft oder vielleicht besser eine innere Berufung. Dieser hat der Obergrashof einen weiteren Schwerpunkt zu verdanken: die Züchtung von Gemüse und die Herstellung von Gemüsesaatgut.
Dieses Engagement kommt vor allem durch eine Entwicklung der Pflanzenzüchtung der letzten 20 Jahre. Die Saatgut Anbieter bieten fast nur noch Hybridsaatgut an, dass zwar leistungsstärker sein kann, aber nicht mehr vermehrungsfähig ist. Im Herstellungsprozess des Hybridsaaguts spielt - unter anderem - die Sterilität eine große Rolle. Julian Jacobs hält dies für eine gefährliche Entwicklung. Für ihn ist es eindeutig, dass Pflanzen, die nicht fruchtbar sind, auch als Lebensmittel nur einen sehr eingeschränkten Wert haben.
Deshalb bemüht er sich als Züchter, aus alten Landsorten neue, samenfeste Sorten zu entwickeln. Dies ist in der Praxis eine mühselige Kleinarbeit, die erst nach Jahren des Anbaus - die meisten Gemüsearten sind zweijährig - zum Erfolg führt.
Gern können Sie hier den wunderschönen und informativen Flyer des Obergrashofes downloaden.